{"id":201,"date":"2022-09-21T22:42:28","date_gmt":"2022-09-21T20:42:28","guid":{"rendered":"https:\/\/gerberei-oettrich.de\/gerberei\/?page_id=201"},"modified":"2022-09-21T22:46:18","modified_gmt":"2022-09-21T20:46:18","slug":"aktuelles","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/gerberei-oettrich.de\/gerberei\/index.php\/aktuelles\/","title":{"rendered":"Aktuelles"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Hans-Georg Procopius:<br>Die Geschichte des Gerberhandwerkes in der Stadt Doberlug-Kirchhain<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>erschienen 2007<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ausz\u00fcge aus dem B\u00fcchlein:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile is-vertically-aligned-top\" style=\"grid-template-columns:21% auto\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"250\" height=\"355\" src=\"https:\/\/gerberei-oettrich.de\/gerberei\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/buch.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-202 size-full\" srcset=\"https:\/\/gerberei-oettrich.de\/gerberei\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/buch.jpg 250w, https:\/\/gerberei-oettrich.de\/gerberei\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/buch-211x300.jpg 211w\" sizes=\"auto, (max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p><em><strong>Bl\u00fcte und Niedergang eines Wirtschaftszweiges<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Urspr\u00fcnge des Gerberhandwerks<\/p>\n\n\n\n<p>Die Anf\u00e4nge der Gerberei gehen zur\u00fcck bis in die Ur- und Fr\u00fchgeschichte. Seit jeher bem\u00fchten sich die Menschen, die ihnen zur Verf\u00fcgung stehenden Ressourcen m\u00f6glichst vollst\u00e4ndig zu verwerten. So diente schlie\u00dflich die Jagdbeute nicht allein der Nahrung, sondern alles Verwertbare wurde verarbeitet: die Knochen waren Ausgangsmaterial zur Herstellung bestimmter Werkzeuge, und man erkannte im Laufe der Zeit, dass die Tierh\u00e4ute unter anderem zu Bekleidungszwecken geeignet waren, nachdem man sie in bestimmter Weise durch das Gerben aufgearbeitet hatte. Beim Gerben handelt es sich um die Behandlung von Tierh\u00e4uten zur Haltbarmachung, d.h. die H\u00e4ute faulen nicht mehr, trocknen nicht horn-artig aus und verleimen auch nicht mehr unter Einwirkung h\u00f6herer Temperaturen. Die Rohhaut wird zum Leder.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine der ersten Gerbmethoden war vermutlich das Einkneten des anhaftenden Hautfettes zusammen mit dem Gehirn und Knochenmark des erlegten Tieres. Ebenso erreichte man durch das R\u00e4uchern der Rohfelle auch eine gewisse Gerbwirkung. Die vermutlich \u00e4ltesten Gerbverfahren sind: Fett- oder S\u00e4mischgerbung durch tierische Fette und Fischtran, Lohgerbung, die Gerbung mit pflanzlichen Stoffen, d.h. Baum\u00acrinden, H\u00f6lzern, Bl\u00e4ttern, Fr\u00fcchten, die Wei\u00df- oder Glacegerbung mit Aluminiumsalzen (Alaun). Bis ins Mittelalter gerbte jeder lederverarbeitende Berufsstand sein Leder selbst. Erst als sich Ende des 16. bis Anfang des 17. Jahrhunderts die Arbeitsteilung verst\u00e4rkt durchsetzte, erfolgte auch eine Aufspaltung in die Berufe der Gerber und Lederverarbeiter, wie z.B. Schuhmacher, Sattler, Beutler (Lederbekleidungs- und Handschuhmacher), T\u00e4schner.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Schafledergerberei in Kirchhain<\/strong> wurde durch die gro\u00dfen Schafherden in der n\u00e4heren und weiteren Umgebung sowie durch die damalige 3-Felder-Wirtschaft beg\u00fcnstigt. Das damals noch stetig flie\u00dfende und vor allem weiche und eisenfreie Wasser der Kleinen Elster eignete sich au\u00dferdem besonders gut zum Wei\u00dfgerben.<br>Die Gerber z\u00e4hlten im Mittelalter, genau wie die Abdecker, zu den unreinen Berufen. Sie mussten ihre Arbeit am Stadtrand oder vor der Stadt verrichten. Erst als aus der Rohhaut Leder geworden war, waren die Berufe zur Weiterverarbeitung h\u00f6chst ehrbar. Alle Gewerke, die mit rohen H\u00e4uten umgingen, wurden in der Kirchhainer Stadtordnung von 1625 als Schuster bezeichnet. Der betreffende Absatz dieser Stadtordnung ist gleichzeitig der erste Hinweis auf Gerber in Kirchhain. Dort wurde festgelegt: <em>\u201eEs sollen die Schuster bey Brauens Zeit die erholten Leder oder H\u00e4ute beym Abdecker, zu beyden Thoren in die Stadt, gar nicht in die Elster bringen, noch bey den gemeinen Brunnen die Leder schaben noch zurichten bey Straffe 20 gr.&#8220;<\/em> Das bedeutet, dass der heute als scherzhaft abgetane derbe Spruch:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDer B\u00fcrgermeister gibt bekannt: Heute darf nicht in den Bach geschissen werden, denn es wird Bier gebraut,&#8220; einst der bitteren Wahrheit entsprach. Die aus den Beutlern und T\u00e4schnern hervorgegangenen Kirchhainer Wei\u00df-und S\u00e4mischgerber wurden erstmals 1627 in den Akten der \u201eMei\u00dfener Haupt- und Kreislade in Dresden&#8220; genannt, doch ist nicht bekannt, wie viele Wei\u00df- und S\u00e4mischgerber es hier zu damaliger Zeit gab.2 In den hiesigen Kirchenb\u00fcchern sind nur wenige genannt; z.B.<\/p>\n\n\n\n<p>1667 &#8211; 69 =3<br>1686 = 5<br>1710 &#8211; 13 =7.<\/p>\n\n\n\n<p>Im historischen Ortslexikon der Niederlausitz von Rudolph Lehmann sind f\u00fcr 1786 neun Wei\u00dfgerber und f\u00fcr 1814 elf Wei\u00dfgerber genannt. Mit der Gr\u00fcndung Dobrilugks 1664 siedelten sich auch in dieser Stadt Gerber an:<br>Bis 1693 waren es drei Wei\u00dfgerber und vier Lohgerber.3 Laut Ortslexikon gab es 1786 sieben Lohgerber, zwei Wei\u00dfgerber, und 1814 vier Lohgerber und zwei Wei\u00dfgerber, doch hat das Gerberhandwerk in Dobrilugk nie die Bedeutung erreicht wie in Kirchhain.<\/p>\n<\/div><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hans-Georg Procopius:Die Geschichte des Gerberhandwerkes in der Stadt Doberlug-Kirchhain erschienen 2007 Ausz\u00fcge aus dem B\u00fcchlein: Bl\u00fcte und Niedergang eines Wirtschaftszweiges Urspr\u00fcnge des Gerberhandwerks Die Anf\u00e4nge der Gerberei gehen zur\u00fcck bis in die Ur- und Fr\u00fchgeschichte. Seit jeher bem\u00fchten sich die Menschen, die ihnen zur Verf\u00fcgung stehenden Ressourcen m\u00f6glichst vollst\u00e4ndig zu verwerten. 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