{"id":336,"date":"2022-09-22T14:27:17","date_gmt":"2022-09-22T12:27:17","guid":{"rendered":"https:\/\/gerberei-oettrich.de\/gerberei\/?page_id=336"},"modified":"2022-09-22T14:29:38","modified_gmt":"2022-09-22T12:29:38","slug":"03-09-2008-lausitzer-rundschau","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/gerberei-oettrich.de\/gerberei\/index.php\/03-09-2008-lausitzer-rundschau\/","title":{"rendered":"03.09.2008 &#8211; Lausitzer Rundschau"},"content":{"rendered":"\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Wie im Elbe-Elster-Kreis die Tradition eines alten Handwerks bewahrt wird<\/h4>\n\n\n\n<p><strong>Die Kirchhainer Pelzgerber<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Manfred Oettrich und Paul E. H\u00f6ppner geh\u00f6ren zu den letzten Gerbermeistern in Sachsen und Brandenburg. In Doberlug-Kirchhain (Elbe-Elster) \u2013 dem einstigen Hauptstandort zur industriellen Lederproduktion der DDR \u2013 bewahren sie die Tradition des alten Handwerks.<br>Beide haben den Schritt in die Selbstst\u00e4ndigkeit gewagt und sich inzwischen einen \u00fcberregionalen Kundenstamm aufgebaut.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"500\" height=\"332\" src=\"https:\/\/gerberei-oettrich.de\/gerberei\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/presse_03092008.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-271\" srcset=\"https:\/\/gerberei-oettrich.de\/gerberei\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/presse_03092008.jpg 500w, https:\/\/gerberei-oettrich.de\/gerberei\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/presse_03092008-300x199.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><figcaption>Gerbermeister Manfred Oettrich in seiner Werkstatt in Doberlug-Kirchhain. <br>Foto: R\u00f6sler<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Unangenehmer Geruch durchflutet die kleine Werkstatt, als Manfred Oettrich den Deckel des h\u00f6lzernen Walkfasses \u00f6ffnet. Unz\u00e4hlige Felle schwimmen in einem Ger\u00e4t, das wie eine riesige Waschmaschinentrommel aussieht. \u00abDie werden wie saure Gurken in einer Salz-S\u00e4ure-Mischung eingelegt, damit sp\u00e4ter der Gerbstoff besser eindringen kann\u00bb , erkl\u00e4rt Oettrich. Er hat sein Handwerk von der Pike auf gelernt, stammt aus einer alten Gerberfamilie. Dort, wo der Kirchhainer heute Felle konserviert, wurden schon vor rund 200 Jahren Tierh\u00e4ute verarbeitet. Das Gerberhandwerk selbst hat in der Stadt etwa 400 Jahre Geschichte mitgeschrieben. Um 1900 gab es fast 100 Gerbereien in Kirchhain, der Stadtteil galt als einer der wichtigsten Produktionsstandorte f\u00fcr Schafleder im Deutschen Reich. In der DDR war der Ort mit 14 privaten Gerbereien und einer volkseigenen Lederfabrik die Hochburg der Lederproduktion.<br>Heute sind Oettrich und H\u00f6ppner nach Auskunft der Handwerkskammer (HwK) Cottbus die einzigen, die in S\u00fcdbrandenburg noch Gerbereien betreiben. In Ostsachsen ist nach Angaben der HwK Dresden noch ein Gerber in der S\u00e4chsischen Schweiz registriert. Nach der Wende brach der Industriezweig nicht nur in Doberlug-Kirchhain nahezu komplett zusammen. \u00abVon den rund 20 gr\u00f6\u00dferen Lederfabriken, die es zur Wiedervereinigung im Osten Deutschlands gab, ist heute nur noch die im th\u00fcringischen Weida \u00fcbrig\u00bb , sagt Reinhard Schneider, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Verbandes der Deutschen Lederindustrie. Der Grund: Schweinsh\u00e4ute, die haupts\u00e4chlich von den Betrieben in der DDR verarbeitet worden waren, durften in der Europ\u00e4ischen Union nicht mehr abgezogen werden. Damit brach den Gerbereien ihre Rohware weg. \u00abEine Zeit lang wurde versucht, H\u00e4ute aus Osteuropa zu importieren. Aber das funktionierte nicht richtig\u00bb , so Schneider. Bundesweit hat sich die Branche in den vergangenen Jahren gewandelt. Strengere Umweltauflagen und h\u00f6here Lohnkosten h\u00e4tten die Produktion in Deutschland verteuert. Daher sei die Lederwarenindustrie nach und nach abgewandert. Heute w\u00fcrden in der Bundesrepublik haupts\u00e4chlich Leder f\u00fcr die Auto- und M\u00f6belindustrie hergestellt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wechselnde Arbeitgeber<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Den Verlust der Absatzm\u00e4rkte hat Paul E. H\u00f6ppner am eigenen Leib erfahren. Zu DDR-Zeiten habe er in der volkseigenen Lederfabrik in Doberlug-Kirchhain gearbeitet und sei in den Wendejahren in die v\u00e4terliche Gerberei gewechselt. \u00abDie Auftr\u00e4ge sind total eingebrochen\u00bb , erinnert sich H\u00f6ppner. Sie h\u00e4tten damals Handschuhleder f\u00fcr einen Gubener Betrieb geliefert. \u00abDort wurde die Produktion eingestellt\u00bb , so der Handwerker. H\u00f6ppner ging in den Westen Deutschlands. \u00abIch war in f\u00fcnf Gerbereien, die alle nach und nach zugemacht wurden\u00bb , erz\u00e4hlt der 44-J\u00e4hrige. Als sein letzter Arbeitgeber die Produktion in Deutschland schloss und sie in die Slowakei verlagerte, habe er sich selbstst\u00e4ndig gemacht und die heimische Gerberei, die seit 1896 besteht, wieder er\u00f6ffnet. Das war vor rund f\u00fcnf Jahren. \u00abEs ist nicht einfach, Auftr\u00e4ge ranzubekommen\u00bb , sagt der Gerbermeister. \u00dcber die Jahre hat er Kunden aus ganz Deutschland gewonnen. \u00abIch bin der einzige im Land Brandenburg, der noch Strau\u00dfenleder herstellt.\u00bb Das sei neben der Pelzveredelung sein Hauptstandbein.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>V\u00e4terlichen Betrieb wieder belebt<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Seinen Platz in der Branche hat auch Manfred Oettrich gefunden, der sich 2006 in die Selbstst\u00e4ndigkeit gewagt und den v\u00e4terlichen Betrieb wieder zum Leben erweckt hat. Die Auftr\u00e4ge mehren sich, sagt der Handwerksmeister: \u00abDie Tendenz ist gut, das Gesch\u00e4ft w\u00e4chst.\u00bb Seine Kunden kommen aus Berlin und Brandenburg, aus Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern. Auch Felle aus Nordrhein-Westfalen und Hessen hat der 43-J\u00e4hrige schon bearbeitet. \u00abDas meiste sind Schaffelle. Aber ich gerbe hier eigentlich alles, was vier Beine und einen Pelz hat\u00bb , erz\u00e4hlt Oettrich, der zur Wiedervereinigung 1990 der j\u00fcngste Gerbermeister der DDR war. In seiner Werkstatt landen Felle von Mardern, Nutrias und Wildschweinen. Auch einen kanadischen Wolf, ein Zebra, Fischh\u00e4ute und Schlangen hat der Gerber schon haltbar gemacht.<br>Dass er wieder in sein altes Handwerk zur\u00fcckkehrt, h\u00e4tte der Kirchhainer bis vor wenigen Jahren selbst nicht geglaubt. Bis 1990 arbeitete er im v\u00e4terlichen Betrieb und wechselte dann bis 1993 in eine Gerberei in den Taunus. Danach lie\u00df sich Oettrich zum Industriekaufmann umschulen und fing bei einem Hersteller von Autoanh\u00e4ngern in Gro\u00dfenhain (Landkreis Mei\u00dfen) an. Doch eine der Entlassungswellen \u00fcberrollte auch ihn. Also kehrte Oettrich zu seinen Wurzeln zur\u00fcck. Heute gibt der Kirchhainer sein Wissen gern weiter und f\u00fchrt Besucher ehrenamtlich durch die Technische Ausstellung der Stadt, die die Geschichte und Technik der Wei\u00dfgerberei vermittelt. \u00abMein Beruf hat viel mit altem Wissen zu tun\u00bb , das will der Kirchhainer bewahren, in dem er das Handwerk lebendig h\u00e4lt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Rund 80 Gerbereien<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>*In Deutschland gibt es nach Angaben des Verbandes der deutschen Lederindustrie (VDL) derzeit rund 80 Gerbereien. Davon h\u00e4tten etwa 15 Unternehmen mehr als 50 Mitarbeiter, rund 30 Firmen w\u00fcrden jeweils zwischen 20 und 50 Menschen besch\u00e4ftigen. Der Rest seien vor allem kleine Ein- bis Zwei-Mann-Betriebe. Insgesamt z\u00e4hle die Branche zwischen 3000 und 3500 Besch\u00e4ftigte und erziele einen Gesamtumsatz von etwa 600 Millionen Euro pro Jahr.<br>*Deutschland ist laut VDL hinter Italien und Spanien der drittgr\u00f6\u00dfte Lederproduzent in Europa.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Christiane Klein<\/em><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-buttons is-layout-flex wp-block-buttons-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-button\"><a class=\"wp-block-button__link has-background\" href=\"https:\/\/gerberei-oettrich.de\/gerberei\/index.php\/artikel-aus-der-presse\/\" style=\"background-color:#a35235\">zur\u00fcck<\/a><\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie im Elbe-Elster-Kreis die Tradition eines alten Handwerks bewahrt wird Die Kirchhainer Pelzgerber Manfred Oettrich und Paul E. H\u00f6ppner geh\u00f6ren zu den letzten Gerbermeistern in Sachsen und Brandenburg. 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