{"id":352,"date":"2022-09-22T14:48:40","date_gmt":"2022-09-22T12:48:40","guid":{"rendered":"https:\/\/gerberei-oettrich.de\/gerberei\/?page_id=352"},"modified":"2022-09-22T14:48:40","modified_gmt":"2022-09-22T12:48:40","slug":"28-03-2008-die-rheinpfalz","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/gerberei-oettrich.de\/gerberei\/index.php\/28-03-2008-die-rheinpfalz\/","title":{"rendered":"28.03.2008 &#8211; Die Rheinpfalz"},"content":{"rendered":"\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Salzen, Trocknen, Schleifen und Walken<\/h4>\n\n\n\n<p><strong>Manfred Oettrich ist einer der letzten Gerbermeister in Brandenburg &#8211; 400-j\u00e4hrige Tradition<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Doberlug-Kirchhain.<\/em> Ein unangenehmer Geruch dringt in die Nase. Schwei\u00dfperlen laufen Manfred Oettrich \u00fcber die Stirn. Er reinigt die R\u00fcckseite eines abgezogenen Schaffells mit einem gro\u00dfen Messer. Der 42-J\u00e4hrige aus Doberlug-Kirchhain (Kreis Elbe-Elster) ist einer der letzten Gerbermeister Brandenburgs. Das einst weit verbreitete Handwerk ist heute fast ausgestorben.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"420\" height=\"282\" src=\"https:\/\/gerberei-oettrich.de\/gerberei\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/presse_01092006.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-270\" srcset=\"https:\/\/gerberei-oettrich.de\/gerberei\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/presse_01092006.jpg 420w, https:\/\/gerberei-oettrich.de\/gerberei\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/presse_01092006-300x201.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 420px) 100vw, 420px\" \/><figcaption>Hat den Schritt in die Selbstst\u00e4ndigkeit gewagt: Gerbermeister Manfred Oettrich bearbeitet in seiner Werkstatt in Doberlug-Kirchhain Felle und H\u00e4ute, die ihm die J\u00e4ger, Kaninchenz\u00fcchter und Sch\u00e4fer bringen.<br>Foto: dpp<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Oettrich \u00fcbt den Beruf des Gerbermeisters bereits in f\u00fcnfter Generation aus. Er hat das Handwerk im v\u00e4terlichen Betrieb von der Pike auf gelernt und 1987 die Meisterpr\u00fcfung abgelegt. Er war damit j\u00fcngster Gerbermeister der DDR. Momentan hat er wenig zu tun, da zurzeit keine Jagdsaison ist. \u00abEs ist schwierig, die drei Sommermonate zu \u00fcberbr\u00fccken\u00bb, gibt er zu. Doch langsam kommen die Kunden wieder. Sein Einzugsbereich erstreckt sich dabei auch dank Internet weit \u00fcber die regionalen Grenzen hinaus. So habe er beispielsweise schon Dachsfelle aus dem Allg\u00e4u oder Material von der Insel R\u00fcgen zugeschickt bekommen. J\u00e4ger, Sch\u00e4fer und Kaninchenz\u00fcchter bringen ihm die Tierh\u00e4ute.<br>Im September 2006 hat Oettrich den Schritt in die Selbstst\u00e4ndigkeit gewagt &#8211; nachdem der Betrieb seines Vaters seit Jahren ruhte. Der 42-J\u00e4hrige f\u00fchrt damit die fast 400-j\u00e4hrige Tradition des Gerberhandwerkes in Doberlug-Kirchhain fort. In dem Ort wurden um 1900 die H\u00e4lfte aller Schaffelle des Deutschen Reiches verarbeitet, etwa 1,4 Millionen pro Jahr.<br>Damals gab es in der Stadt rund 100 Gerbereien. Ein Grund f\u00fcr den starken Produktionsstandort war die Kleine Elster &#8211; ein Fluss, der das f\u00fcr die Gerbung ben\u00f6tigte besonders weiche Wasser mit sich f\u00fchrte. Deshalb siedelte der Gro\u00dfvater von Oettrich sich direkt an dem Gew\u00e4sser an.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>H\u00e4ute werden zuerst konserviert<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Bis zum fertig gegerbten Fell sind viele Arbeitsschritte n\u00f6tig. Um den beginnenden F\u00e4ulnisprozess zu stoppen, werden die H\u00e4ute nach dem Abziehen zuerst konserviert. Bei gro\u00dfen Tieren wie Rindern oder Schweinen wird von Haut gesprochen, bei Schafen und Ziegen von Fell. Die g\u00e4ngigste Methode ist das Salzen, wodurch der Haut das Wasser entzogen wird. Kleinere Felle, auch Balg genannt, k\u00f6nnen getrocknet werden. Vor dem Gerben muss die Haut von Schmutz und Fettresten gereinigt werden. Das kostet Kraft und riecht unangenehm. \u00abDaran habe ich mich schon als Kind gew\u00f6hnt\u00bb, sagt Oettrich, den der Geruch nicht st\u00f6rt.<br>Eine Salz-S\u00e4ure-L\u00f6sung bringt das Material auf einen bestimmten pH-Wert, der f\u00fcr die nachfolgende Gerbung wichtig ist. \u00abGerbstoffe werden in das Fasergef\u00fcge der Haut eingelagert, wodurch die lange Haltbarkeit erreicht wird\u00bb, erkl\u00e4rt der Handwerker. Ab diesem Zeitpunkt spricht man von Leder. Nach Gerben, Fetten und Trocknen erh\u00e4lt das Fell seinen Feinschliff.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Pelze als Troph\u00e4en<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Mit der Schleifmaschine werden Unebenheiten ausgebessert, zudem erh\u00e4lt das Material im Walkfass seine weiche Konsistenz. Nach etwa acht Wochen ist das gegerbte Fell fertig. Aus den Fellen werden anschlie\u00dfend Vorleger, Westen oder Handschuhe gefertigt. J\u00e4ger h\u00e4ngen die Pelze auch gern als Troph\u00e4en an die Wand. Doberlug-Kirchhain liegt etwa 110 Kilometer s\u00fcdlich von Berlin. Zu DDR-Zeiten war die Gerberstadt der Hauptstandort zur industriellen Lederproduktion. Mit der Wende kam das Aus f\u00fcr die 14 privaten Gerbereien und die volkseigene Lederfabrik. Das Wei\u00dfgerbermuseum zeigt die Geschichte des Handwerks und arbeitet mit Oettrich zusammen, der G\u00e4sten gern die praktischen Arbeiten zeigt.<\/p>\n\n\n\n<p><em>DPP-Korrespondent Lars Hartfelder<\/em><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-buttons is-layout-flex wp-block-buttons-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-button\"><a class=\"wp-block-button__link has-background\" href=\"https:\/\/gerberei-oettrich.de\/gerberei\/index.php\/artikel-aus-der-presse\/\" style=\"background-color:#a35235\">zur\u00fcck<\/a><\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Salzen, Trocknen, Schleifen und Walken Manfred Oettrich ist einer der letzten Gerbermeister in Brandenburg &#8211; 400-j\u00e4hrige Tradition Doberlug-Kirchhain. Ein unangenehmer Geruch dringt in die Nase. Schwei\u00dfperlen laufen Manfred Oettrich \u00fcber die Stirn. Er reinigt die R\u00fcckseite eines abgezogenen Schaffells mit einem gro\u00dfen Messer. 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