{"id":362,"date":"2022-09-22T15:02:39","date_gmt":"2022-09-22T13:02:39","guid":{"rendered":"https:\/\/gerberei-oettrich.de\/gerberei\/?page_id=362"},"modified":"2022-09-22T15:02:39","modified_gmt":"2022-09-22T13:02:39","slug":"01-09-2006-lausitzer-rundschau","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/gerberei-oettrich.de\/gerberei\/index.php\/01-09-2006-lausitzer-rundschau\/","title":{"rendered":"01.09.2006 &#8211; Lausitzer Rundschau"},"content":{"rendered":"\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Gerbermeister Oettrich wagt sich in die Selbstst\u00e4ndigkeit<\/h4>\n\n\n\n<p><strong>Ich gerbe den Leuten wieder das Fell<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Manfred Oettrich er\u00f6ffnet heute seine Gerberei in Doberlug-Kirchhain. Mit all seinem Mut wagt er den Schritt in die Selbstst\u00e4ndigkeit. Er sieht aber auch die fast 400-j\u00e4hrige Gerbertradition in der Stadt, die nicht sterben darf, wie er meint.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"420\" height=\"282\" src=\"https:\/\/gerberei-oettrich.de\/gerberei\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/presse_01092006.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-270\" srcset=\"https:\/\/gerberei-oettrich.de\/gerberei\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/presse_01092006.jpg 420w, https:\/\/gerberei-oettrich.de\/gerberei\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/presse_01092006-300x201.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 420px) 100vw, 420px\" \/><figcaption>Gerbermeister Manfred Oettrich kehrt zur\u00fcck zu seinen beruflichen Wurzeln und er\u00f6ffnet heute seine Pelzgerberei in der Hennersdorfer Stra\u00dfe 5 von Doberlug-Kirchhain.<br>Foto: Dietmar Seidel<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Das Gerberhandwerk in Doberlug-Kirchhain ist nach der Wende fast ausgestorben. Was bis dahin Generationen ern\u00e4hren konnte, langte pl\u00f6tzlich nicht mehr als Auskommen. Auch die Gerberei Oettrich, direkt an der Kleinen Elster in der Hennersdorfer Stra\u00dfe, sollte es nur noch bis 1994 geben. Dann machte Vater Richard zu. Zw\u00f6lf Jahre d\u00fcmpelten Werkstatt, Maschinen und Werkzeuge vor sich hin. Jetzt wird alles wieder aktiviert. Der Sohn Manfred, selbst seit fast 20 Jahren Gerbermeister, kn\u00fcpft da an, wo der Vater aufgeh\u00f6rt hat.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Von der Pike auf gelernt<\/strong><br>Der 41-J\u00e4hrige hat sich diesen Schritt gut \u00fcberlegt. \u00abGerbermeister Dieter Glauche, der unseren Berufsstand noch hochgehalten hat, ist in diesem Jahr in den wohl verdienten Ruhestand gegangen und hat mir bei der Einrichtung der Werkstatt geholfen und einige gute Tipps gegeben. Auch einen Teil seines Kundenstammes kann ich \u00fcbernehmen.\u00bb Was das handwerkliche R\u00fcstzeug angeht, hat Manfred Oettrich im v\u00e4terlichen Betrieb alles von der Pike auf gelernt. Er ist Gerber in der f\u00fcnften Generation in seiner Familie. Die Oettrichs haben also rund 200 Jahre das Gerberhandwerk in Kirchhain mit gepr\u00e4gt, gut die H\u00e4lfte der 400-j\u00e4hrigen Gerbergeschichte der Stadt.<br>1987 legte Manfred Oettrich als 22-J\u00e4hriger seine Meisterpr\u00fcfung ab. \u00abAm Tag der deutschen Wiedervereinigung war ich der j\u00fcngste Gerbermeister der DDR\u00bb , erz\u00e4hlt er. Und doch packte er 1990 erst einmal die Sachen und arbeitete mit seinem Bruder bis 1993 in einer Gerberei bei Wiesbaden. \u00abIch war Abteilungsleiter in der Wasserwerkstatt, dann setzte auch dort das Gerberei-Sterben ein\u00bb , erinnert er sich.<br>Manfred Oettrich suchte beruflich nach einer neuen Orientierung und setzte sich dazu noch einmal auf die Schulbank. Von 1993 bis 1995 vertiefte er sich ins Kaufm\u00e4nnische und machte einen zweiten Berufsabschluss als Industriekaufmann. Er arbeitete u. a. im Glaswerk Sch\u00f6nborn. Die letzten sechs Jahre pendelte er zwischen Doberlug-Kirchhain und Gro\u00dfenhain, wo er das Marketing f\u00fcr eine Firma, die Pkw-Anh\u00e4nger baut, \u00fcbernahm. Seit April ist er aber wieder arbeitslos. Bewerbungen im kaufm\u00e4nnischen Bereich blieben erfolglos.<br>\u00abSchon 1999 trug ich mich mit dem Gedanken, mich selbstst\u00e4ndig zu machen\u00bb , r\u00e4umt er ein. Jetzt ist es so weit: Manfred Oettrich bietet ab heute das Gerben und Zurichten von Fellen und H\u00e4uten an. \u00abIch orientiere mich auf die Pelzgerberei und habe mir daf\u00fcr extra noch ein paar Maschinen aus dem Vogtland geholt.\u00bb Brandenburg habe viele W\u00e4lder, in denen viele Tiere leben, argumentiert er. J\u00e4ger, Sch\u00e4fer, Kaninchenz\u00fcchter \u2013 Oettrich ist nicht bange, denn erste Anfragen sind bereits bei ihm eingegangen. Den n\u00e4chsten Gerbermeister gibt es erst in Leipzig. Nach Norden hin f\u00e4nde sich der n\u00e4chste gar erst in Rostock.<br>Auf dem Grundst\u00fcck an der Kleinen Elster befindet sich seit 1850 eine Gerberei. \u00ab1922 hat sich hier mein Gro\u00dfvater selbstst\u00e4ndig gemacht\u00bb , erz\u00e4hlt der 41-J\u00e4hrige. Von 1951 bis 1961 war er Obermeister der Gerber in Brandenburg.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zusammenarbeit mit Museum<\/strong><br>Oettrich sucht auch die \u00d6ffentlichkeit und kann sich eine Zusammenarbeit mit dem Wei\u00dfgerbermuseum gut vorstellen. \u00abDort wird die geschichtliche Seite erkl\u00e4rt, bei mir k\u00f6nnte man die Produktion live sehen\u00bb , \u00fcberlegt er. Dabei ist ihm wichtig, das Handwerk, \u00abwas ja nicht fein ist \u2013 es stinkt und ist schwere Arbeit\u00bb , ins richtige Licht zu r\u00fccken. \u00abIch will den Leuten klar machen, dass es f\u00fcr 30 Euro keine Schuhe geben kann\u00bb , umschreibt er.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Heike Lehmann<\/em><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-buttons is-layout-flex wp-block-buttons-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-button\"><a class=\"wp-block-button__link has-background\" href=\"https:\/\/gerberei-oettrich.de\/gerberei\/index.php\/artikel-aus-der-presse\/\" style=\"background-color:#a35235\">zur\u00fcck<\/a><\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gerbermeister Oettrich wagt sich in die Selbstst\u00e4ndigkeit Ich gerbe den Leuten wieder das Fell Manfred Oettrich er\u00f6ffnet heute seine Gerberei in Doberlug-Kirchhain. Mit all seinem Mut wagt er den Schritt in die Selbstst\u00e4ndigkeit. 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